28.03.0915:35Alter:3 Jahre

Bericht FL Bezirksausflug Tennengau

Kategorie: Archiv

Ausflug der Tennengauer Fleckviehzüchter am 28.3.2009

Der Ausflug der Fleckviehzüchter aus dem Tennengau führte dieses Jahr in den benachbarten Flachgau. Auf dem Programm standen die Besichtigung des Landesgutes Kleßheim, der Besamungsstation Kleßheim und der Betrieb Scherrer in Thalgau. Unter der Leitung von Obmann Sepp Pölzleitner beteiligten sich bei herrlichem Frühjahrswetter an dieser Veranstaltung über 50 interessierte Züchter und Züchterinnen. Vormittags stand die Besamungsstation Kleßheim und der Gutsbetrieb der Fachschule Kleßheim auf dem Programm.

Das Landesgut Kleßheim wird seit 1995 biologisch bewirtschaftet. Zurzeit stehen 19 Milchkühe der Rassen Fleckvieh, Pinzgauer und Holstein-Friesian, fünf Aufzuchtkälber und neun Jungstiere im Rahmen der Eigenleistungsprüfung am Betrieb. Die Stiere werden für die Besamungsanstalt Kleßheim aufgezogen. Es sind dies genetisch interessante Jungtiere aus der gezielten Paarung, die im Alter von 14 Monaten auf die Besamung überstellt werden und dann nach der Körung als Testiere in den Einsatz kommen.
Die Stiere werden nur mit Heu und einem eiweißreichen Kraftfutter aufgezogen, die Milchkühe erhalten eine Ration aus Grassilage, Heu und Maissilage, ergänzt mit dem am Betrieb angebauten Getreide und zugekauften Milchleistungsfutter. Alle Tiere fühlen sich im neuumgebauten Laufstall sehr wohl. Die Stiere und Aufzuchttiere sind in einem Tretmiststall - die Milchkühe sind in Außenliegeboxen untergebracht. Tierzuchtlehrer Mathias Kinberger von der LFS Kleßheim konnte den neuen Stall präsentieren und stand allen Fragen Rede und Antwort.

Anschließend stand die Besichtigung der Besamungsstation am Programm.
Die Rinderbesamungsstation ist ein Wirtschaftsbetrieb der Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Salzburg und ist zu 100% in deren Eigentum. Aufgabenbereich dieser Station ist die Samenproduktion, die Samenauslieferung und in den letzten Jahren kam noch die Ausbildung von Eigenbestandsbesamern und Klauenpflegern hinzu. Mit einem Produktionsvolumen von ca. 145.000 Samenportionen der Rassen Fleckvieh (10 Stiere), Pinzgauer (11 Stiere), Blau-Weisse-Belgier (1 Stier) und Charolais (1 Stier), zählt sie zu den kleineren Stationen in Österreich. Vermarktet werden im Bundesland Salzburg rund 96.300 Portionen. Fleckvieh führt mit knapp 60% aller Besamungen die Liste an, gefolgt von den Pinzgauern (11%), Weiss-Blauen-Belgiern (10%), Rotbunt (8,5%), Schwarzbunt (7%) und den anderen Rassen (Braunvieh, Limousin & Sonstigen). Neben der Samenproduktion spielt auch die Vermarktung eine bedeutende Rolle. Kleßheim ist Generalimporteur von GGI Deutschland (Holstein Sperma) und Coopex Montbeliardesperma aus Frankreich für Österreich.

Es wurde uns an diesem Tag Einblick in den Ablauf der Samenproduktion gezeigt. Angefangen von den strengen seuchenhygienischen Auflagen im Quarantänebereich, bis hin zu den Qualitätskontrollen im gesamten Produktionsablauf. Mit viel Geschick wurden vom Stierwärter Samen abgenommen, welcher anschließend ins Labor zur Weiterverarbeitung gegeben wurde. Im Frischsperma befinden sich zwischen 0,8 bis 2,5 Milliarden Spermien, wobei ein Samenvolumen von 2 bis 12 ml abgenommen wird. Bei der Qualitätskontrolle wird unter dem Mikroskop die Massen- und Einzelbewegung der Spermien genauestens beobachtet und eine Dichtemessung durchgeführt. Anhand dieser Ergebnisse wird berechnet, wie hoch das Sperma verdünnt werden darf, damit mindestens 20 Millionen Spermien pro Samenportion abgefüllt werden können. An diesem Tag wurde uns außerdem noch eine andere Kostprobe abgefüllt. Der bekannte „Notfalltropfen", der von uns gerne angenommen wurde.

Im Lagerraum werden je nach Stier und Rasse zwischen 3.000 und 10.000 Portionen gelagert. Zusätzlich befindet sich dort eine sogenannte Genreserve aller Stiere, von welchen in Kleßheim Samen gewonnen wurde. Erst nach 30 Tagen Wartezeit und einer weiteren Qualitätskontrolle darf der Samen in den Verkehr gebracht werden.
Anschließend wurden uns vier Wartestiere vorgeführt. Die wuchtigen Stiere hatten ein aktuelles Gewicht von knapp 1.000 kg bis 1.300 kg. Vorgeführt wurden die Stiere Humus (Züchter: Loitfellner Franz, Untersteinbach, Rauris), Hyden (Züchter: Eichberger Heinz, Steiermark), Waku (Züchter: Fersterer Johann und Elisabeth, Egger, Maria Alm) und Wimm (Züchter: Ganitzer Jakob, Wimmbauer, Großarl).
Anschließend ging die Fahrt weiter Richtung Mondsee, wo wir im Gasthof zum Aichingerwirt bestens versorgt wurden.

Der Höhepunkt des Tages war der Besuch des Scherrergutes in Vetterbach bei Thalgau mit zwei Melkrobotern. Der Erbhof, welcher bereits seit 1553 im Besitz der Familie Scherrer ist, zählt zu den größten Milchviehbetrieben im Bundesland Salzburg. Bewirtschaftet werden 60 ha Grünland (22 ha Eigenfläche), welche je nach Witterung und Lage (von Ebene bis Hanglage) fünf Mal pro Jahr gemäht werden.

Der Betrieb ist weder Mitglied beim Landeskontrollverband noch beim Zuchtverband. Gemolken wird seit drei Jahren mit zwei Lely Astronaut Melkrobotern, wo pro Tier entsprechende Messungen über Milchmenge, Zellzahl, Körpergewicht, usw. durchgeführt werden. Die täglich produzierte Milch beläuft sich zwischen 28 und 30 kg pro Kuh. Derzeit werden 76 Kühe im Schnitt 3 Mal täglich gemolken. Ein Roboter kann ca. 2.000kg pro Tag melken. Die Milch wird an den Milchhof Salzburg mit ca. 4% Fett und 3,5% Eiweiß geliefert. Durch die Aufstockung der Kuhzahl und Steigerung der Milchmenge war die Anschaffung eines zweiten Roboters notwendig, um einen Rückstau beim Melken zu vermeiden. Der Anschaffungspreis beläuft sich auf ca. € 130.000.- pro Gerät je nach Ausstattung. Die Anschaffungskosten sind sicher etwas höher als beim Melkstand, jedoch ist er Platzbedarf erheblich geringer und somit gibt es Einsparungen bei den Baukosten.

Der Warmstall wurde aus Betonfertigteilen (Betonbinder) errichtet. Für entsprechenden Kuhkomfort wurde mit Tiefboxen (Strohmatratze) und gutem Stallklima gesorgt. Die Laufflächen werden mit dem Schrapper mehrmals täglich gereinigt.

Die Fütterung erfolgt hauptsächlich mit Rundballengrassilage. Über dem Buttler werden ca. 1,5 kg Kraftfutter pro Kuh über den Futtertisch verabreicht und das Futter rangeschoben. Futtermischwagen ist keiner im Einsatz, nur ein einfacher Ballenabwickler sorgt für die Silagevorlage. Im Roboter selbst wird ein besonders schmackhaftes Kraftfutter je nach Milchmenge verabreicht.

Es wird versucht den Bestand mit der eigenen Nachzucht zu ergänzen. Besamt wird ein Teil der Herde mit zwei RH- Sprungstieren und der andere Teil wird künstlich belegt (Eigenbestandsbesamer). Um eine gute Eingewöhnung in die Herde zu erreichen, werden die Kalbinnen bereits zwei Monate vor dem Abkalben in die Milchviehherde integriert und an die Melktechnik gewöhnt.

Am späten Nachmittag ging es nun zum gemütlichen Teil über. In Anthering bei Kernei´s Mostheurigen gab es natürlich einiges zum Nachbesprechen.
Im Namen der Tennengauer Fleckviehzüchter möchten wir uns nochmals bei den Betrieben und beim Obmann Sepp Pölzleitner für den schönen Tag bedanken.