Bericht FL-Züchterlehrfahrt Bayern & Baden Württemberg Oktober 09
FL-Züchterlehrfahrt Bayern & Baden Württemberg
16. - 18. Oktober 2009
Früh aufstehen hieß es für die Oberpinzgauer Reiseteilnehmer der diesjährigen 3-Tages-Fleckvieh Züchterlehrfahrt. Bereits um 5.00 Uhr gings in Mittersill los. Auf den Weg nach München zum ersten Programmpunkt - der 2005 erbauten Allianz Arena - füllte sich der Bus bis schließlich 65 Personen von den beiden Guides der Allianz-Arena begrüßt werden konnten.
Beeindruckend und für einige auch etwas beängstigend begann die Führung am 3. Rang der Arena - 34° Steigung ist nicht geeignet für „nicht schwindelfreie". Für knapp 70.000 Besucher bietet die Allianz-Arena auf insgesamt 3 Rängen Platz und ist somit das einzige Fußballstadion in Europa mit 3 Rängen! Man kann die Stimmung bei einem Fußballspiel nur ansatzweise erahnen, wenn man dieses riesige Stadion überblickt.
Weiter ging unsere Führung zur „Außenversade". Wir staunten nicht schlecht als wir das Material in die Hände bekamen, aus denen die beleuchteten Rauten sind. Was beim Vorbeifahren aussieht, wie beleuchtete Plastikrauten, sind 2.760 Luftkissen aus ETFE-Folie (Ethylen-Tetrafluorethylen). Bemerkenswert an der Konstruktion ist, dass immer nur die genau gegenüber liegenden 2 Kissen in Form und Größe identisch sind. Eine architektonische Meisterleitung und gleichzeitig auch die größte Membranhülle der Welt, welche auch in den Farben weiß, blau und rot beleuchtet werden kann. Die Führung beinhaltete auch die Besichtigung der Umkleidekabinen, des Einlauftunnels, welcher zur hydraulischen Spielfeldklappe führt und endete im Allianz Restaurant, wo wir zum Mittagessen angemeldet waren.
Um ca. 13.00 Uhr ging die Fahrt weiter nach Markdorf zum Holsteinzuchtbetrieb des bekannten Züchters und Preisrichters Markus Mock. Da das Wetter leider nicht auf Seiten der reisenden Fleckvieh-Züchter war, erfolgte die Betriebsvorstellung im Bus, wo es wesentlich wärmer und trockener war. Das schlechte Wetter konnte die Stimmung aber nicht trüben.
Der Betrieb Mock füttert zu Zeit ca. 125 Milchkühe, 55 Stück Jungvieh und 55 Bullen. Bewirtschaftet werden ca. 120ha, davon sind ca. 50ha sechs schnittiges Grünland und 70ha Ackerbau. Von den bewirtschafteten 120ha sind nur 26ha Eigenland!!!! - die restliche Fläche ist gepachtet. Dies ist allerdings nur möglich, da der Pachtzins sehr niedrig ist, für Grünland sind ca. 200€ und für Ackerland 300€ zu zahlen. Mit den Preisen bei uns vergleichsweise billig!!
Zur Situation am Milchmarkt war Herr Mock uns gegenüber sehr offen. Bei einem Kontingent von ca. 1,2 Mill. kg und einem derzeitigen Milchpreis von 25 Cent (dieser hat sich im letzten Monat um 1,5 Cent erhöht) fehlen ihm zurzeit im Monat rund 20.000€. Seine Meinung ist aber positiv, es gab immer schlechte Zeiten, die man seiner Meinung nach nutzen sollte, um sich für die besseren Zeiten vorzubereiten. „Wenn die „guten Zeiten" kommen, sollte man bereit sein, um wieder gute Tiere verkaufen zu können!" so Markus. Letztes Jahr versteigerte der Betrieb Mock Jungkühe mit 30-35l Milch zum Mindestpreis von 2.000€, derzeit erlangen diese Tiere nur mehr 1.200-1.300€ bei den Versteigerungen.
Die Arbeit am Hof bewältigen das Betriebsführerehepaar, die Eltern von Markus Mock und auch 2 Lehrlinge werden ständig ausgebildet. Nur so war es auch möglich, im letzten Jahr eine Versteigerung von 35 Top-Tieren mit Spitzenpreisen Ab-Hof abzuhalten. „Der beste Züchter ist jener, der unterm Strich am meisten mit seiner Arbeit verdient" - so die Meinung von Markus Mock, der neben der Landwirtschaft auch noch mit 4 Ferienwohnungen seine Existenz sichert. Länger als geplant dauerte die Besichtigung, viele Fragen wurden Markus Mock gestellt, die Reiseteilnehmer waren sehr interessiert an diesem Betrieb und das Resümee im Bus war durchaus positiv. Wir möchten uns bei Familie Mock recht herzlich bedanken, dass wir trotz der ungünstigen Besuchszeit (Markus war gerade beim Melken) herzlich empfangen wurden und unsere Fragen so offen und ehrlich beantwortet wurden!
Um ca. 19.30 Uhr erreichten wir mit etwas Verspätung unser Quartier. Abends wurden wir bestens bewirtet und müde von der langen Reise fand der Abend für viele bald ein Ende.
Am Samstag war die Besichtigung zweier Fleckviehbetriebe geplant. Um 9.30 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Engen zum Betrieb von Familie Mayer. Hier begrüßte uns der Junior, Jan Mayer, da das Betriebsführerehepaar auf einem Ausflug war. Familie Mayer bewirtschaftet ca. 230ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon ist ca. die Hälfte Grünland, die andere Hälfte ist Ackerland. Wie wir bereits beim Betrieb Mock gehört hatten, ist auch hier die Eigenfläche sehr gering, nur ca. 45ha kann Familie Mayer ihr Eigen nennen, die restliche Fläche ist zu einem etwas höherem Pachtsatz als bei Familie Mock zugepachtet. Die Pachtgebühr ist in diesem Gebiet allerdings im Begriff, immer teurer zu werden, der Grund dafür sind laut Jan die vermehrt gebauten Biogasanlagen.
Im Jahr 2006 wurden am Betrieb 2 Melkroboter eingebaut. Derzeit sind 160 Milchkühe am Betrieb, es muss aber an Stückzahl abgebaut werden, da die Roboter „nur" für 140 Milchkühe ausgerichtet sind. 1 Mill. kg Kontingent, 160 Milchkühe, ca. 180 weibliche Zuchtrinder sowie Kälber und 50 Mastbullen zeugen von der Größe dieses Betriebes, in welchem die Zucht aber im Hintergrund steht. Zusätzlich werden noch 320 Schweine gemästet, welche wir aber nicht zu Gesicht bekamen, da diese etwas vom Betrieb entfernt gehalten werden. Auch in den letzten Reihen im Bus konnte man das Aufatmen von unserem Busfahrer Ernst noch hören - zum Glück kein Schweineduft im Bus.
Der Stalldurchschnitt war im Jahr 2008 7.700kg, Familie Mayer setzt in ihrer wirtschaftsweise seit dem Einbau der Melkroboter vermehrt auf unauffällige, gesunde Tiere. Weniger die Spitzenleistung und die Schönheit zählen, sondern die Funktionalität. Eine Kuh, die 12.000kg milkt, die aber ständig Probleme macht, wird selektiert. Es reicht, wenn eine Kuh 8.000 bis 9.000 kg gibt, aber dafür unauffällig bleibt.
Versteigert wurden bis vor Einbau der Roboter jährlich ca. 25 Jungkühe, durch das Aufstocken am Betrieb wurde die weibl. Nachzucht nicht verkauft. Künftig würde Familie Mayer aber gerne wieder Tiere über die Versteigerungen vermarkten.
Im Anschluss an die Betriebsvorstellung im Bus gesellten sich auch Cornelia, Jans Frau, und die Kinder zu unserer „kleinen Runde". Interessiert schauten wir den Robotern bei ihrer Arbeit zu und Cornelia antwortete uns bereitwillig auf unsere ganzen Fragen. Begeistert waren die Reiseteilnehmer vom Interesse und dem Wissen der Jungbäuerin.
Wieder mit etwas Verspätung fuhren wir weiter Richtung Überlingen am Bodensee. Auf dem Weg dorthin machten wir noch kurz Halt an einem neu eröffneten Bauernladen wo wir kurz Zeit zum Durchbummeln hatten.
Mittags konnten die Reiseteilnehmer sich die freie Zeit so gestalten, wie sie es wollten. Mittagessen, bummeln oder auch Eisessen - um 15.00 Uhr war aber wieder Treffpunkt beim Bus, welcher uns weiter nach Stockach-Seelfingen zum Betrieb Käppeler führte.
Auch dieser Betrieb mit 95 Milchkühen, 60 Zuchtbullen und 90 Stück weiblicher Nachzucht empfing uns herzlich. Gleich zu Beginn der Betriebsvorstellung wurde von Franz ganz nebensächlich erwähnt, dass seine beiden Söhne noch „zu haben wären", dabei schweifte sein Blick suchend im Bus umher.
Der Betrieb wird von Franz und Lucia Käppeler, den beiden Söhnen und einem Auszubildenden bewirtschaftet. Das Kontingent beläuft sich auf 530.000kg. Gemolken wird in einem sehr interessanten Fischgrätenmelkstand, 16 Tiere finden hier gleichzeitig Platz. Vor ca. 5 Jahren wurde ein neues Stallgebäude gebaut und die bereits vorhandenen älteren Stallungen wurden kostengünstig umgebaut. So war es möglich auf die derzeitige Stückzahl aufzustocken und dem Zuchtvieh, das uns von Franz vorgeführt wurde, ideale Bedingungen zu bieten.
Die Vorbereitung für das Abendprogramm wurden bereits hier von Toni getroffen - ein Schätzspiel, welches am Abend für perfekte Unterhaltung sorgte. 2 Kühe wurden von Franz Käppeler gewogen, diese mussten von uns geschätzt werden. Man weiß nicht, ob die Schätzungen vielleicht besser ausgefallen wären, wären sie nach der 43er Milch (Milch-Likör Gemisch), die einigen von uns anstatt der Kaffeemilch von Franz eingegossen wurde, gemacht worden. Vielen Dank für die großzügige Bewirtung mit Kaffee und Milchbrot in der hauseigenen und gemütlichen Partyscheune.
Gut gelaunt durch die gesunde Milch der Käppelerkühe gings wieder zurück zum Quartier. Für Samstagabend war der Scheunenabend geplant! In einer Scheune, die nur von uns Salzburgern besetzt war, wurde uns ein ortstypisches Buffet vorbereitet. Dank unseren Musikern Hans und Sepp war die Stimmung sehr gut. Es wurde getanzt, gelacht und natürlich wurden auch die Gewinner der Schätzspiels verkündigt. Wertvolle Preise gab es zu gewinnen: 4. Preis war die Besichtigung eines Schlosses, 3. Preis war eine komplette Jagdausrüstung (jeder Jäger und auch nicht-Jäger weiß den finanziellen Wert einer Jagdausrüstung), 2. Preis war ein Abendessen für 2 Personen und der Sieger konnte sich über ein Wochenende für 2 Personen freuen (siehe Foto!). Es war ein wirklich gelungener Abend zu dem sich zu unserer Freude auch die Familie Käppeler dazugesellte. Danke Toni, wir haben alle herzlich gelacht!!!
Bedanken möchten wir uns auch bei allen 3 Familien, die uns erlaubt haben, ihre Betriebe zu besichtigen und uns unsere Fragen ehrlich beantwortet haben.
Wir wünschen euch für die Zukunft viel Glück und Gesundheit in Haus und Hof. Vielen Dank unseren Musikern Hans und Sepp für die musikalische Umrahmung (danke auch jenen Reiseteilnehmern, die in der Späte des Abends ihr musikalisches Talent auch noch entdeckt haben J)! Danke natürlich auch unserem Busfahrer Ernst, dass du uns alle wieder gut nach Hause gebracht hast. Wir haben dich wild in der Gegend umhergejagt, hoffentlich fährst du auch das nächste Mal wieder mit uns und danke Toni für die Zusammenstellung dieser wieder gelungenen 3-Tages Reise! Wir würden uns freuen, wenn wir auch nächstes Jahr wieder zahlreiche reiselustige Züchter/innen für die geplante Reise in die Schweiz begrüßen dürfen!
Los gings in der Allian Arena
34° Steigung - nichts für Leute mit Höhenangst!
Auch wenn gerade kein Spiel war - ...
... faszinierend!
Mittagessen im Allianz-Restaurant
Ankunft beim Betrieb Markus Mock in Markdorf
Markus Mock umringt von Salzburgern





















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