Fleckvieh Züchterlehrfahrt 21. bis 23. Oktober 2011
Slowenien und die Steiermark waren die Reiseziele der Fleckvieh-Züchterlehrfahrt 2011. Auch heuer war das Interesse an der Lehrfahrt wieder groß und so konnten 70 Reisefreudige am Morgen des 21. Oktober begrüßt werden.
Die Route führte von Maishofen über die A10, die Tauernautobahn nach Kärnten und über den Wurzenpass nach Slowenien. Die Fahrt über den Wurzenpass wurde zur Mutprobe – mit jedem gefahrenen Höhenmeter wurde auch die Schneedecke immer dicker.
Erster Stopp unserer Reise war die Schiflugschanze in Planica. Leider konnten wir die Höhe dieser Schanze nur erahnen, der Nebel versperrte uns die Sicht nach oben. Uns flößte der Blick den Berghügel hinauf bereits großen Respekt ein - dieser war so steil, dass wir Mühe hatten, uns auf den Füßen zu halten.
Nach dem Mittagessen im Gasthaus „Pri Martinu“ in Kranjska Gora erreichten wir um ca. 15.30 Uhr unser Hotel in Bled. Der Nachmittag konnte von jedem Reiseteilnehmer individuell gestaltet werden. Einige nutzten den sonnigen Nachmittag und machten eine Bootsfahrt zur Wallfahrtskirche St. Maria, die auf einer Insel im Bleder See erbaut wurde, andere machten eine Zugfahrt um den Bleder See, erkundeten Bled oder setzten sich auf eine Terrasse und genossen bei Kaffee und Kuchen die letzten Sonnenstrahlen.
Bereits um 18.00 Uhr führte unsere Reise weiter Richtung Oberkrain: im berühmten Gasthaus Avsenik wurde uns kurz der Werdegang der Oberkrainer Musikanten mittels eines Filmes erläutert, anschließend konnten wir uns beim Abendessen LIVE von den Künsten der „Oberkrainer aus Begunje“ überzeugen! Mit ihren deutsch- und slowenischsprachigen Liedern sorgten sie für beste Stimmung und auch das Tanzbein wurde von zahlreichen Mitreisenden fleißig geschwungen, sodass für einige Tänzer der Samstagmorgen mit etwas Muskelkater begann.
Am Samstag standen zwei Betriebsbesichtigungen in Slowenien auf dem Programm.
Als erstes wurde von uns der Holsteinzuchtbetrieb des Herrn Anton Dolenc besichtigt: dieser Laufstallbetrieb mit derzeit 84 Milchkühen wird von Herrn Dolenc und seinem Sohn, beide Tierärzte, bewirtschaftet. Zum Staunen brachten uns die Inhaltsstoffe: bei einem Betriebsdurchschnitt von 11.000kg kann der Betrieb Dolenc 4,3% Fett und 3,6% Eiweiss bei weniger als 200.000 Zellzahl vorweisen.
Von den 90ha Land sind ca. 65ha Grünland und 25ha Ackerland. Aufgrund des Baus der Autobahn, welche unweit des Betriebes vorbeiführt, verlor Fam. Dolenc naheliegende Grundstücke und bekam stattdessen Land, welches etwas weiter vom Hof entfernt liegt. Der Fischgrätenmelkstand bietet insgesamt 12 Tieren Platz, die Jungrinder werden Ab-Hof verkauft, wobei der Preis hier deutlich unter dem österreichischen Niveau liegt.
Der Milchpreis beträgt derzeit zwischen 34 und 35 Cent, wobei die Milch nicht zur Molkerei nach Ljubljana sondern nach Italien geliefert wird. Grund hierfür ist nicht, dass die italienischen Molkereien viel mehr bezahlen, sondern dass früher bezahlt wird. Unter Umständen kann es bei den slowenischen Molkereien bis zu drei Monaten dauern, bis das Milchgeld ausbezahlt wird, obwohl auch ein Großteil dieses Rohstoffes nach Italien verkauft wird!
Besamt werden die Tiere am Hof Dolenc mit Sperma aus der USA, Canada, Deutschland, Italien und Niederlande. Im Sommer wird das Milchvieh auf die Weide getrieben, die Einbußen von ca. 10% an Milchmenge werden hier in Kauf genommen.
Die Winter in dieser Gegend können mit bis zu minus 32° Celsius und 1m – 1,2m Schnee sehr kalt werden. Sehr offen wurden von Herrn Dolenc auch die Fragen betreffend Förderungen beantwortet: für 90ha Land bekommt er ca. € 28.000 im Jahr.
Um ca. 11.00 Uhr ging unsere Reise weiter. Leider konnte der geplante Fleckviehzuchtbetrieb nicht besichtigt werden, da aufgrund des Schneefalles der vergangenen Tage dieser Betrieb mit einem Bus nicht erreichbar war.
Freundlicherweise erklärte sich Familie Sebat spontan bereit, uns ihre Landwirtschaft vorzustellen und überraschte uns mit vier „Sängerknaben“, welche uns die Slowenische Nationalhymne in etwas abgeänderter Form vortrugen.
Familie Sebat führt einen Betrieb mit 62 Holstein-Kühen und 62 Stück Jungvieh. Der Betriebsdurchschnitt im Jahre 2010 lag bei 7.535kg Milch mit 3,90% Fett und 3,34% Eiweiß. Insgesamt werden 65ha (davon 54ha gepachtet) bewirtschaftet davon 31ha Wiesen, 12ha Maissilage, 16ha Weiden und 6ha Luzerne. Die Zusammensetzung der landwirtschaftlichen Flächen sorgte bei den Reiseteilnehmern für Erstaunen: die 65ha setzen sich aus über 100 Parzellen zusammen – z.B. sind die 12ha Mais sind auf 29 Parzellen aufgeteilt. Der Grund für diese kleine Strukturierung ist unter anderem, dass zahlreiche kleinere Betriebe (mit ca. 5 bis 6ha Land) aufhören und diese Flächen anschließend von den größeren Betrieben gepachtet werden. Der Preis für 1ha Land liegt im Schnitt zwischen € 100 und € 150, wobei zu beachten ist, dass die Erde laut Herrn Sebat sehr schlecht ist. Auch dieser Betrieb liefert die Milch nach Italien, zu einem Preis von 33 – 34 Cent.
Nachdem wir die Stallungen besichtigt hatten, verabschiedeten wir uns von Familie Sebat und machten uns auf den Weg zu einem Weinkeller. Fünf verschiedenen Weinsorten wurden uns dort zur Verkostung gereicht, dazu wurde uns noch Stelze und Würstchen im Schlafrock serviert. Bei gemütlichem Beisammensein fand dieser Tag ein ruhiges Ende.
Am letzten Tag ging die Reise um 8.30 Uhr los in Richtung Steiermark. Nach dreieinhalb Stunden Busfahrt erreichten wir den Birkfelderhof, wo wir für das Mittagessen angemeldet waren.Die Wirtin, deren Bruder bei den Edelseer Musikanten mitspielt, versorgte uns bestens und so ging es gestärkt weiter zum Betrieb Derler Johann und Rosi.
Johann Derler begann seine Betriebsführung mit allgemeinen Informationen über die Steiermark und erklärte uns, dass im Süden der Steiermark nur mehr wenige Rinderbauern vorzufinden sind. Hier wird vermehrt Ackerbau betrieben, weiters wird auch viel Mais, Getreide und Kürbis angebaut bzw. Schweine und Hühner gehalten.
Die rinderstärksten Bezirke sind noch Weiz und Hartberg, allerdings hat sich die Anzahl der Milchbauern im Bezirk Weiz in den letzten 10 Jahren halbiert, diese Landwirte haben sich entschieden, auf Ochsen- und Kalbinnenaufzucht umzustellen.
Johann und Rosi Derler haben 1990 den Betrieb übernommen, anschließend wurden einige Umbauarbeiten wie z.B. der Neubau eines 3er Tandem Melkstandes, vorgenommen. Der Stall war im Großen und Ganzen fertig umgebaut, als am 20. Juli 2007 ein Feuer ausbrach und innerhalb von 7 Minuten stand das komplette Stallgebäude in Flammen. Laut Brandermittlern hatte das frisch eingebrachte Heu zu brennen begonnen – drei Kälber und die berühmte Stiermutter und Schaukuh Wonne, welche beim Austrieb der Tiere aus dem Stall leider wieder kehrt machte, in den Melkstand rannte, ausrutschte und in der Melkgrube zu liegen kam, kamen in den Flammen um.
Familie Derler entschied sich, nun intensiv in die Milchwirtschaft einzusteigen, baute einen Stall für 70 Milchkühe welche von einem Melkroboter gemolken werden und anschließend wurde auch noch die Idee für das erste Kuhcafé in Österreich geboren und umgesetzt.
Der Melkroboter benötigt ca. 8 Minuten pro Kuh und ist für ungefähr 70 Kühe ausgerichtet. Die Tiere werden 3 Mal am Tag gemolken wobei ein Betriebsdurchschnitt von 8.000 bis 8.500kg Milch bei Inhaltsstoffen von 4,0 bis 4,2% Fett und 3,3 bis 3,5% Eiweiß. Bei Problemen wie z.B. einem Gewitter, Stromausfall, volle Behälter, etc. wird automatisch ein Anruf vom Melkroboter bei einer der sechs gespeicherten Nummern getätigt.
Bei jedem Melkvorgang wird jedes einzelne Viertel untersucht, somit lässt sich die genaue Milchmenge, der Gesundheitszustand, die Temperatur und sogar die Wiederkäueraktivität, die im Schnitt bei acht Stunden am Tag liegt, ermitteln.
Gefüttert werden die Tiere mit Grassilage, Maisschrot und Gerste, die Futtermenge wurde für ca. 23kg Milch berechnet. Zusätzlich werden jedem Tier 1,5kg Kraftfutter im Melkroboter gefüttert und für Tiere mit mehr Milch gibt es an der Kraftfutterstation noch eine zusätzliche Futterration. Johann und Rosi Derler sind Eigenbestandsbesamer, wobei die meisten Besamungen von Rosi übernommen werden.
Von einem Partnerbetrieb wird die Nachzucht aufgezogen. Dieser erhält neben dem Taggeld auch noch eine Erfolgsprämie pro gesundem Tier. Drei bis vier Wochen vor der Abkalbung kommen die Kalbinnen wieder zurück zum Betrieb Derler.
Mit dem Bau des neuen Stallgebäudes kam, wie bereits erwähnt, auch die Idee eines Kuhcafes. Das Interesse war in den ersten drei Monaten so groß, dass über 30 Busse den Betrieb und das außergewöhnliche Café besuchten. Mittlerweile sind drei Personen im Café und zwei in der 40ha Landwirtschaft gemeldet.
Nachdem wir bestens mit „Kuhkaffee“ und Kuchen versorgt waren, verabschiedeten wir uns von Familie Derler und bedankten und für die freundliche Aufnahme am Hof, für die informative Führung und beste Verpflegung im Café - am späteren Nachmittag traten wir unsere Heimreise über das Murtal an.
Herzlichen Dank möchte ich an dieser Stelle Frau Klopcic und Herrn Merlak für die Mithilfe bei der Organisation dieser Reise aussprechen. Auch den Betrieben sei vielmals dafür gedankt, dass sie uns herzlich empfangen und uns Tür und Tor zu ihren Betrieben geöffnet haben.
Vielen Dank für die sichere und angenehme Fahrt gilt auch dem Busunternehmen Gassner, welches sich über die Jahre bereits zu „unserem Busunternehmen“ entwickelt hat.
Vor allem sei aber dem Fachausschussobmann Anton Hörbiger für die Gestaltung der Reise gedankt. Er ist es immer wieder, der die Ideen liefert und die Reisestrecke vorab abfährt. Herzlichen Dank Toni, wir freuen uns schon auf die Reise im kommenden Jahr!




























































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