Züchterlehrfahrt in die Schweiz vom 8. bis 10. Oktober 2010
Riesengroß war das Interesse an der diesjährigen Fleckvieh-Züchterlehrfahrt in die Schweiz. Bereits 7 Tage nach Ausschicken des Programms im Juni, war der erste Bus mit insgesamt 66 Sitzplätzen restlos gefüllt und zahlreiche Interessenten waren auf der Warteliste notiert.
Nach insgesamt 2 Schweizfahrten vom FL Obmann Anton Hörbiger war es möglich, grünes Licht für den 2. Bus zu geben. Nachdem es die zu besichtigenden Betriebe nicht ablehnten, 124 Personen zu begrüßen und auch ein 2. Hotel gefunden war, machten wir uns am Freitag, 8. Oktober um pünktlich 5.30 Uhr auf den Weg in Richtung Schweiz.
Das erste Reiseziel war das landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof in Landquart. Am Plantahof wurden wir von Carl Brandenburger erwartet und in die hauseigene „Versteigerungshalle" geführt. Dort wurde uns der Betrieb vorgestellt: Im Jahre 1895 starb Rudolf Alexander von Planta, der Besitzer des Gutshofes. Dieser schrieb in seinem Testament, dass er den Gutshof mit den Ländereien dem Kanton Graubünden schenkt, jedoch nur unter der Bedingung, dass daraus eine Landwirtschaftsschule gemacht und künftig auch immer eine edle Braunviehherde gezüchtet wird, was seit nunmehr als 115 Jahren strickt befolgt wird.
Die 180 ha große Alm mit eigener Sennerei verarbeitet ca. 60.000l Milch zu Käse. Der derzeitige Milchpreis beträgt ca. 56 Rappen (ca. 42 Cent). Eigentlich kein schlechter Milchpreis, allerdings muss man bedenken, dass vor ca. 10 Jahren der Milchpreis bei ca. 1,10 CHF (ca. 82 Cent) lag und die Produktionskosten keineswegs gesunken sind. Für Milch, die von der hauseigenen Sennerei verarbeitet wird, beträgt der Milchpreis (bereits abzüglich der Kosten für die Käser und Senner) 92 Rappen (ca. 69 Cent)!! Ein Kilo Käse wird von Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof um umgerechnet ca. € 16,00 verkauft!!
Vielfach bekannt wurde der Gutshof vor allem durch die Aufteilung der Tiere in verschiedene Herden. Mittlerweile sind die Braunviehtiere in vier verschiedene Herden aufgeteilt: Rauhfutterherde, Leistungsherde, original Braunviehherde (Fütterung ohne Silage) und in eine Vergleichsherde. Näher erläutert wurden uns die Rauhfutter und die Leistungsherde, welche sich dadurch unterscheiden, dass die Rauhfutterherde kein Kraftfutter zugefüttert bekommt. Interessant waren die Vergleichszahlen der Herden, in der Leistung war die Rauhfutterherde natürlich etwas schwächer, wobei man natürlich nicht nur die Leistung beachten darf, so Carl Brandenburger. Ein Beispiel: der Plantahof plant den Bau eines weiteren Stallgebäudes, ein Stand kostet pro Tier ca. € 25.000. Gerechnet auf die Herden ist ein Stand bei der Leistungsherde natürlich schneller bezahlt, auf Dauer gesehen kommt aber die Rauhfutterherde wieder günstiger, da die Kosten für die Rauhfutterherde geringer sind, als jene der Leistungsherde... Ein Kreislauf mit Vor- und Nachteilen bei beiden Herden.
Weiters ist der Plantahof auch beim Obstbau tätig, auf ca. 6 ha werden Äpfel, Kirschen und Marillen angebaut; 3 ha werden für den Weinbau genützt. Von der guten Qualität des Weines konnten wir uns beim Mittagessen im Speisesaal der Schule selber überzeugen.
Nachmittags wäre die Besichtigung des Betriebes von Familie Lederach geplant gewesen. Leider gab es am Betrieb Probleme mit der Wasserversorgung und Herr Lederach sagte uns die Besichtigungab. Ersatzweise nahmen wir uns mehr Zeit um den Plantahof genauer zu begutachten.
Um ca. 14 Uhr machten wir uns auf den Weg Richtung Burgdorf und Huttwil zu den Quartieren. Nach dem Abendessen stand noch der Besuch beim Jodlerclub auf dem Programm wo uns ca. 15 Jodler traditionelle Schweizer Volksmusik vortrugen. Müde von der weiten Fahrt gings um 23 Uhr wieder zurück zu den Quartieren.
Am Samstag waren die Schifffahrt am Thuner See und die Jubiläumsschau in Eggiwil im Emmental geplant. Das Wetter spielte das ganze Wochenende über perfekt mit, nur leider hielt sich der Nebel an beiden Tagen bis zu den Mittagsstunden. Die Reiseleitung am Samstag übernahmen der Präsident der Schweizer Fleckviehzüchter Andreas Aebi und sein Vater Franz. Andreas und Franz informierten uns während der Busfahrt zum Thuner See über die landwirtschaftlichen Gegebenheiten in der Schweiz. Die Arbeitslosenquote in der Schweiz liegt bei bemerkenswerten 2-3%, der Selbstversorgungsgrad ist sehr gering, über 56% der Waren werden importiert. Der Durchschnittspreis der letzten Versteigerung lag bei € 2.400, das teuerste Tier erreichte einen Zuschlagspreis von mehr als € 5.000. Spitzenpreise, welche aber etwas relativiert werden, wenn man die extrem hohen Lebenskosten in der Schweiz mit einbezieht.
Versorgt mit zahlreichen Informationen, kamen wir beim Thuner See an. Kurz nach halb zehn Uhr starteten wir unsere Schifffahrt. Einigen konnte man mit zunehmender Wassertiefe an der Gesichtsfarbe ablesen, dass sie den festen Boden unter den Füßen doch bevorzugen.
Nach dem Mittagessen gings dann bei schönstem Wetter ins Emmental zur Jubiläumsschau. Dort wurden die Salzburger herzlich aufgenommen und sogar persönlich begrüßt. Ca. 425 Rinder aus einem Umkreis von ca. 10km wurden ausgestellt, welche am Ende der Schau zu Fuß nach Hause getrieben wurden. Jedes Tier bekam eine Glocke umgehängt und viele Betriebe schmückten ihre Tiere zusätzlich mit aufwendig gebundenem Blumenschmuck. Einige der Kuhglocken waren so groß und schwer, dass es den Kühen kein Leichtes war, damit zu gehen - einige Stürze und Tiere, die sich dem Gewicht der Glocken beugten uns sich niederlegten, gehörten bei diesem Heimtrieb dazu. Verletzungen von Tieren und Menschen blieben aber zum Glück aus!
Angekommen beim Hotel in Burgdorf verabschiedeten wir uns von unseren Reiseleitern Andreas und Franz Aebi mit einem kurzen Abschiedstanz, welcher von unserem Musikanten Paul Entleitner jun. musikalisch begleitet wurde.
Der zweite Abend der Züchterlehrfahrt fand in den jeweiligen Hotels einen gemütlichen Ausklang, die verschiedenen Eindrücke wurden beim Abendessen noch reichlich diskutiert.
Am dritten und letzten Tag unserer Lehrfahrt machten wir uns bereits wieder auf den Weg in Richtung Österreich. Am Sonntag konnte aufgrund der langen Heimreise keine Betriebsbesichtigung mehr geplant werden. In Appenzell machten wir Pause, um zu Mittag zu essen. Viele nutzen auch die Gelegenheit und bummelten durch die (auch am Sonntag geöffneten) Geschäfte.
Um 19.30 Uhr kamen wir alle wohlbehalten in Maishofen an - an dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei dem Busunternehmen Gassner bedanken: ihr dürft euch mittlerweile DAS Busunternehmen der Salzburger Fleckviehzüchter nennen. Danke für die unkomplizierte Zusammenarbeit & Organisation, für die unfallfreie und ruhige Fahrt und für das bereits jetzt für uns reservierte Oktoberwochenende 2011!!
Des Weiteren möchten wir uns auch beim Präsidenten der Schweizer Fleckviehzüchter Andreas Aebi, der vorab bereits wesentlich an der Organisation der Reise beteiligt war, herzlich bedanken. Vielen Dank für die Reiseleitung am Samstag, ohne dich hätte die Schifffahrt mit nur 65 Salzburgern stattgefunden und die Jubiläumsschau in Eggiwil wäre uns vorenthalten geblieben!!!
Ich möchte mich auch bei den Reiseteilnehmern für die Pünktlichkeit und Verlässlichkeit während der 3 Tage bedanken, ohne eure Disziplin wäre die Abwicklung des Programms nicht möglich gewesen.
Zu guter Letzt möchte ich noch den zwei Hauptorganisatoren und Reiseleitern großen Dank im Namen aller Mitreisenden aussprechen: dem Obmann des Fachausschusses Fleckvieh Anton Hörbiger und Siegfried Spatzenegger. Vielen Dank für eure Mühen, wir freuen uns bereits jetzt auf die Fleckvieh-Züchterlehrfahrt 2011!



















































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